Termine & Neuigkeiten
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Der Untergang der Titanic 
von Hans Magnus Enzensberger
Samstag, 11. September 2010, 20.00 Uhr (Premiere)
Sonntag, 12. September 2010, 20.00 Uhr
Freitag, 17. September 2010, 20.00 Uhr
Samstag, 18. September 2010, 20.00 Uhr
In der ERBA-Halle, Wangen im Allgäu (Spinnereistraße).
Mit
Hajo Fickus, Sara Gibson, Hartwig Kienast, Tilman Schauwecker, Monika Schüler und Angelina Weber
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und immer noch
und immer wieder
sinkt die titanic nieder
Ein Schriftsteller (ist es H. M E.?) sitzt im Winter des Jahres 1977 in seinem Berliner Zimmer und schreibt. Er versucht einen verloren gegangenen Text zu rekonstruieren, den er vor 8 Jahren in Cuba verfasst hat, einen Text über den Untergang des Luxusdampfers Titanic im April 1912. Bruchstücke aus dem Material seiner Titanic-Studien – Zeitungsmeldungen, Erinnerungen Überlebender, Spielfilme, Lieder, Statistiken, Anekdoten, Gerüchte und Mythen – vermischen sich mit den Erinnerungen an Cuba, an Freunde, an Musik, an die Liebesbeziehung zu einer russischen Emigrantin, aber auch an seine zunehmende Distanz zum sozialistischen Experiment, ein gescheiterter Menschheitstraum wie die Titanic. Wie Geister aus der Vergangenheit treten Personen und Gestalten in die kalte Berliner Wohnung, die das karibisch-schwüle Habana ist, das die auf den Eisberg zufahrende Titanic ist, deren luxuriösen Salons sich im Kopf des Schriftstellers befinden und sich dort langsam mit Wasser füllen.
Der Name Titanic steht bis heute für den trügerischen Mythos vom unaufhaltsamen Fortschritt, nicht nur des technischen, auch des politischen und wirtschaftlichen, für das Beharren auf den alten Denkmustern und Konzepten, auch wenn sie von der Realität (aber was ist das, die Realität?) schon längst widerlegt worden sind, für den Glauben daran, dass nicht sein könne, was nicht sein darf.
und immer schneller
und immer bunter
geht die titanic unter
Enzensbergers als „Komödie“ bezeichnete Collage aus Fakten und Mythen, Gedichten und Nachrichten, Liedern und Bildern überspannt einen weiten Bogen vom Untergang des Luxusliners „Titanic“ während seiner Jungfernfahrt im April 1912 über die kubanische Revolution bis hin zum Deutschland der 70er Jahre und kann über Tschernobyl, den Untergang der realsozialistischen Welt und Nine-Eleven problemlos weitergedacht werden bis zur Wirtschafts- und Finanzkrise der Gegenwart, in der plötzlich der Bankrott ganzer Staaten und der Untergang ganzer Währungen möglich erscheint. Gleichzeitig ironisiert und kritisiert Enzensberger aber auch unsere Lust an der Katastrophe, den Weltuntergangskitsch, das wollüstige Suhlen in apokalyptischen Visionen, das zu einer rationalen Antwort auf die Probleme wenig beiträgt.
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